{"id":3363,"date":"2026-08-25T16:07:41","date_gmt":"2026-08-25T14:07:41","guid":{"rendered":"https:\/\/www.eva-schaefers.de\/?p=3363"},"modified":"2026-08-25T17:20:59","modified_gmt":"2026-08-25T15:20:59","slug":"dave-eggers","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.eva-schaefers.de\/index.php\/2026\/08\/25\/dave-eggers\/","title":{"rendered":"Dave Eggers"},"content":{"rendered":"<p>[et_pb_section fb_built=&#8220;1&#8243; admin_label=&#8220;section&#8220; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_row admin_label=&#8220;row&#8220; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; background_size=&#8220;initial&#8220; background_position=&#8220;top_left&#8220; background_repeat=&#8220;repeat&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_column type=&#8220;4_4&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; custom_padding=&#8220;|||&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; custom_padding__hover=&#8220;|||&#8220;][et_pb_text admin_label=&#8220;Text&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.5&#8243; background_size=&#8220;initial&#8220; background_position=&#8220;top_left&#8220; background_repeat=&#8220;repeat&#8220; use_border_color=&#8220;off&#8220; border_color=&#8220;#ffffff&#8220; border_style=&#8220;solid&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p><span style=\"font-size: large;\"><strong>Der amerikanische Roman Contrapposto<\/strong><\/span><\/p>\n<p><strong>Der junge K\u00fcnstler ist rein, aber die Kuratorin mit allen Wassern gewaschen \u2013 mit dem spannenden Roman <em>Contrapposto<\/em> beleuchtet der amerikanische Autor Dave Eggers viele Facetten der Kunst und des Kunstbetriebs<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Eva Sch\u00e4fers<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Dies ist keine Galerie, dies ist eine Gruft<\/em>, ruft Olympia w\u00fctend\u00a0 &#8211; und rettet ihren apathischen Freund Cricket aus diesem hochn\u00e4sigen Kunsttempel zur\u00fcck ins Leben. Der Galerist hatte ihn neben den Eingang gesetzt, um die erwarteten Besucherstr\u00f6me zu kanalisieren \u2013 aber es kam NIEMAND, um die Vernissage abstrakter kleiner R\u00f6hren-Skulpturen zu sehen. Die \u201eKunstb\u00fcrokraten\u201c (Olympia) verhalten sich gegen\u00fcber Cricket unversch\u00e4mt ausgrenzend. Mit diesem Praktikum hatte er sich einen ersten Einblick in die Kunstszene erhofft, aber die T\u00fcren bleiben, ganz buchst\u00e4blich, immer nur einen winzigen Spalt ge\u00f6ffnet.<\/p>\n<p>Dies ist raffiniert gemacht, wie auch der ganze Roman, trotz einiger Schw\u00e4chen in der Figurenzeichnung, raffiniert konstruiert ist. <em>Contrapposto<\/em> hei\u00dft, auch im Deutschen, der neueste Roman von Dave Eggers.<\/p>\n<p>Was bedeutet dieser italienische Begriff aus der Kunstgeschichte? Zu Beginn des 5.Jahrhunderts entdeckten die Bildhauer: Wenn das Modell nicht einfach nur frontal dasteht, sondern sein Spielbein bewegt, kommt der ganze K\u00f6rper in Bewegung. Diesen sch\u00f6nen H\u00fcftschwung k\u00f6nnen wir tats\u00e4chlich auch im Buch entdecken, denn Eggers hat einige von ihm selbst angefertigte Zeichnungen eingef\u00fcgt, Kohle auf silbergrauem Papier, die meisten Akte, einige ziemlich ausdrucksstark. In seiner Jugend hatte er mal Kunst studiert, aber abgebrochen, weil er in der Kunst keine Zukunft f\u00fcr sich sah, wie er in einem Interview k\u00fcrzlich erz\u00e4hlte.<\/p>\n<p>Im Zentrum von <em>Contrapposto<\/em> steht Robert, Cricket genannt, der als 15j\u00e4hriger Junge einen Kurs im Aktzeichnen macht. Mit seiner enormen, aber noch ungeformten k\u00fcnstlerischen Begabung will er sich aus einem kleinen Ort im Nordwesten von Indiana herauskatapultieren &#8211; und genau das gelingt ihm auch. W\u00e4hrend Cricket K\u00fcnstler werden m\u00f6chte, so will seine Freundin Olympia Kuratorin werden, und so heftet sich der Roman an ihre Fersen, nahe an Cricket, mit gr\u00f6\u00dferer Distanz an Olympia. Ankn\u00fcpfend auch an die Tradition des Bildungsromans, um viele Facetten der Kunst zu beleuchten: Herstellung, Konzept, Marketing. Interessanterweise spart der Autor die Rolle der KI v\u00f6llig aus.<\/p>\n<p>Olympia und Cricket sind ein h\u00f6chst unkonventionelles Liebespaar, das sich auch manchmal \u00fcber Jahre aus den Augen verliert. Und sie bilden ein Paar scharfer Kontraste. Denn w\u00e4hrend sich Cricket tr\u00e4umerischen Vorstellungen von Werkstatt, Meister und Sch\u00fcler hingibt \u2013 so wie ein K\u00fcnstlerleben l\u00e4ngst vergangener Jahrhunderte manchmal funktionierte &#8211; , wei\u00df die realistischere Olympia, dass Kunst auch eine Ware ist \u2013 und auch immer schon war.<\/p>\n<p>In seiner Naivit\u00e4t und Unwissenheit wird Cricket vom Erz\u00e4hler ganz sch\u00f6n ironisiert, doch eine Ironie des Plots liegt nun darin, dass er Jahrzehnte sp\u00e4ter von Olympia in genau so eine arbeitsteilige Manufaktur gerufen wird, wie er sie sich ertr\u00e4umt hatte. Aber doch anders, sehr kapitalistisch: Eine erfindungsreiche und verm\u00f6gende Unternehmerpers\u00f6nlichkeit \u2013 unwillk\u00fcrlich denkt man sofort an Jeff Koons \u2013 schart um sich begabte Illustratorinnen, geschickte Handwerker und smarte Marketingleute, um seine hochfliegenden k\u00fcnstlerischen Konzepte zu verwirklichen. Aber die erz\u00e4hlerische Ironie richtet sich auch gegen die gesch\u00e4ftst\u00fcchtige Olympia, die so vehement gegen die sterile Galerie gezetert hatte. Als sie eine Immobilie mit einem Gesch\u00e4ft erbt, l\u00e4sst sie es genau so aseptisch clean umbauen: mit wei\u00dfen W\u00e4nden, freigelegtem Ziegelwerk dazwischen und viel Glas. Sie will das Vertrauen ihrer verm\u00f6genden Kunden, und das geht genau so, erkl\u00e4rt sie Cricket \u2013 und eben nicht mit einem bunt bemalten Schipperkahn, in dem sie eine ihrer ersten genialen Konzeptausstellungen ausrichtete.<\/p>\n<p>Auf der Kunsthochschule gilt das k\u00fcnstlerische Konzept alles, w\u00e4hrend gegenst\u00e4ndliche Kunst ver\u00e4chtlich niedergemetzelt wird, m\u00f6ge sich auch noch so viel Begabung oder gar Genie dahinter offenbaren. Andersdenkende und<\/p>\n<p>-f\u00fchlende Studenten oder Professoren werden weggeekelt. Auch Cricket bricht die Schule ab und jobbt in einer Autobahnrastst\u00e4tte, der Whistlestop. In seinem Idealismus ist Cricket eine eigent\u00fcmliche Reinheit eigen, w\u00e4hrend Olympia mit allen Wassern gewaschen ist. Als keltische Kriegerin wird sie mal bezeichnet, in ihrer Furchtlosigkeit, mit ihrer ungez\u00e4hmten und freigiebigen Sexualit\u00e4t, mit ihrem wilden Gel\u00e4chter und der wilden Haarm\u00e4hne. Oft tr\u00e4gt sie eine Herrenanzughose und dar\u00fcber ein wei\u00dfes Tanktop, das ihre Brust sch\u00f6n betont.<\/p>\n<p>Nicht nur mit Worten und Taten, auch \u00fcber Kleidung und Physiognomie charakterisiert der Autor seine Figuren. Dabei kommt er manches Mal Klischees bedenklich nahe. Rob, der gewaltt\u00e4tige Liebhaber von Crickets Mutter, hat einen h\u00e4\u00dflichen Charakter und &#8211; eine h\u00e4\u00dfliche Fratze. Seine absto\u00dfenden Gesichtsz\u00fcge karikiert Cricket auf einem Bild in einer Ausstellung, indem er seine kleinen Wieselaugen und seinen winzigen Stalaktitenz\u00e4hne festh\u00e4lt. Seine feine Rache an dem Widerling.<\/p>\n<p>Dagegen wird der aufrechte und moralisch k\u00e4mpferische Professor Carpenter, der f\u00fcr Cricket und seinen engen Freund Jed eine Art Meister wird, in Habit und Habitus schon fast schmalzig hippiehaft idealisiert, \u00e4hnlich wie schon Silas, Crickets Gro\u00dfvater.<\/p>\n<p>Auf einer flippigen Outdoor-Kunstmesse zieht Carpenter mit Jed und Cricket von Stand zu Stand, zwischen ausgestellten Fotos und selbstgemachten, h\u00fcbsch verzierten Lederg\u00fcrteln. Zwischendurch kauft er ihnen Maiskolben. <em>Sind die G\u00fcrtel Kunst<\/em>, fragt er sie. <em>Oder Kunsthandwerk?<\/em> <em>Und was unterscheidet das eine vom anderen?<\/em> Und sie knabbern an Maiskolben und an \u00e4sthetischen Theorien.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend diese Szene mit ihrer sokratischen Fragenkanonade reichlich didaktisch daherkommt &#8211; erst als sich Carpenter die Schn\u00fcrsenkel binden muss, springt das Traktat zur\u00fcck zum Roman &#8211; sind vor allem die Szenen in der Galerie und in der Kunsthochschule mit ihrer beklemmenden Atmosph\u00e4re kleine Kabinettst\u00fcckchen. B\u00f6sartigkeit und eine leise Komik werden gelungen eingefangen.<\/p>\n<p>Man muss kein ausgesprochener Liebhaber Bildender Kunst sein, um an dieser Lekt\u00fcre Freude zu versp\u00fcren. Es geht hier um zwei Menschen, die f\u00fcr etwas brennen. Und das kann mitrei\u00dfend sein, egal ob wir es nun mit Sport, Theater, Literatur oder eben Bildender Kunst zu tun haben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Dave Eggers: Contrapposto. Roman. Kiepenheuer &amp; Witsch. 487 Seiten (inkl. der Abbildungen). 25 \u20ac \u00a0<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>[\/et_pb_text][\/et_pb_column][\/et_pb_row][\/et_pb_section]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der amerikanische Roman Contrapposto Der junge K\u00fcnstler ist rein, aber die Kuratorin mit allen Wassern gewaschen \u2013 mit dem spannenden Roman Contrapposto beleuchtet der amerikanische Autor Dave Eggers viele Facetten der Kunst und des Kunstbetriebs &nbsp; Eva Sch\u00e4fers &nbsp; Dies ist keine Galerie, dies ist eine Gruft, ruft Olympia w\u00fctend\u00a0 &#8211; und rettet ihren apathischen [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_et_pb_use_builder":"on","_et_pb_old_content":"","_et_gb_content_width":"","footnotes":""},"categories":[18],"tags":[],"class_list":["post-3363","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-aktuell"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.eva-schaefers.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3363","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.eva-schaefers.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.eva-schaefers.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.eva-schaefers.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.eva-schaefers.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3363"}],"version-history":[{"count":4,"href":"http:\/\/www.eva-schaefers.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3363\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3408,"href":"http:\/\/www.eva-schaefers.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3363\/revisions\/3408"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.eva-schaefers.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3363"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.eva-schaefers.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3363"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.eva-schaefers.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3363"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}