{"id":3387,"date":"2026-08-25T16:56:25","date_gmt":"2026-08-25T14:56:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.eva-schaefers.de\/?p=3387"},"modified":"2026-08-25T17:18:59","modified_gmt":"2026-08-25T15:18:59","slug":"dave-eggers-2","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.eva-schaefers.de\/index.php\/2026\/08\/25\/dave-eggers-2\/","title":{"rendered":"Reportage"},"content":{"rendered":"<p>[et_pb_section fb_built=&#8220;1&#8243; admin_label=&#8220;section&#8220; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_row admin_label=&#8220;row&#8220; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; background_size=&#8220;initial&#8220; background_position=&#8220;top_left&#8220; background_repeat=&#8220;repeat&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; custom_padding=&#8220;0px|||||&#8220;][et_pb_column type=&#8220;4_4&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; custom_padding=&#8220;|||&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; custom_padding__hover=&#8220;|||&#8220;][et_pb_text admin_label=&#8220;Text&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.5&#8243; background_size=&#8220;initial&#8220; background_position=&#8220;top_left&#8220; background_repeat=&#8220;repeat&#8220; use_border_color=&#8220;off&#8220; border_color=&#8220;#ffffff&#8220; border_style=&#8220;solid&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p><span style=\"font-size: large;\"><strong>\u00dcble Gesch\u00e4ftspraktiken in der Dienstleistungsbranche<\/strong><\/span><\/p>\n<p><strong><\/strong><\/p>\n<p><strong><\/strong><\/p>\n<p><strong><\/strong><\/p>\n<p><strong>Wie windige deutsche Firmen im Bereich der Sch\u00e4dlingsbek\u00e4mpfung ihre Kunden \u00fcber den Tisch ziehen.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Der Erfahrungsbericht einer Bonnerin, von der Autorin protokolliert.<\/strong><\/p>\n<p><em>Eva Sch\u00e4fers<\/em><\/p>\n<p>Am 19.Januar dieses Jahres wachte Ingrid Martin* morgens auf und entdeckte wieder einen neuen Stich. Nur stecknadelgro\u00df war er, rot und juckte, wenn auch nur leicht. Sie fand weitere Stellen an der Schulter, am Oberschenkel am Arm. Da man ja \u00f6fters mal von einem Insekt gestochen oder gebissen wird, hat sie das zun\u00e4chst nicht weiter beachtet.<\/p>\n<p>Erst am vierten Morgen, dem 22.Januar, wurde sie unruhig und \u00fcberlegte, woher die Stiche kommen k\u00f6nnten. In einer spontanen Eingebung schlug Ingrid Martin den kleinen Teppichl\u00e4ufer vor ihrem Bett zur\u00fcck \u2013 und entdeckte darunter ein lebloses, rundes, schw\u00e4rzliches Teil, das ihr seltsam vorkam. Erst vor kurzem hatte sie in einer \u00fcberregionalen Zeitung, der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, den zweiteiligen Leidensbericht einer Autorin gelesen, die sich nach einem Urlaub Bettwanzen ins Haus geholt hatte. Nach dieser Lekt\u00fcre wusste sie, dass sich Bettwanzen rasant vermehren und ihre Eier sehr resilient sind. Aufgrund dieses neuen Wissens steigerte sie sich in eine Panik hinein.<\/p>\n<p>Das Objekt fotografierte sie und steckte es in eine verschraubbare Dose. Darauf googelte sie im Internet <em>Kammerj\u00e4ger in der N\u00e4he<\/em> und fand einen Herrn Z. Das dar\u00fcber stehende Foto zeigte einen \u00e4lteren, freundlich l\u00e4chelnden Herrn, der in dem wei\u00dfen Schutzanzug eines Imkers steckte. Seine Stimme am Telefon klang vertrauenerweckend und zugewandt. Es sei ja nun kurz vor dem Wochenende, sagte er freundlich, er wolle sie aber nicht im Stich lassen, ihren Termin dazwischenschieben und zwischen 15 und 18 Uhr vorbeikommen. Und er schloss mit den Worten: <em>Die Anfahrt plus Analyse kostet 49 Euro.<\/em> Dies schien ihr ein reeller Preis zu sein.<\/p>\n<p>Zwanzig Minuten sp\u00e4ter rief aber jemand an, der sich als Georg M. vorstellte. Sie fragte ein bisschen misstrauisch nach, und er erwiderte schnell: <em>Herr Z. hat keine Zeit. Und unsere Firmen arbeiten zusammen.<\/em><\/p>\n<p>Er wolle um 14 Uhr vorbeikommen. Nach ihrer Schilderung sagte er, dass sich das nach Bettwanzen anh\u00f6re. Er w\u00fcrde seine Ausr\u00fcstung gleich mitbringen. Die Wohnung m\u00fcsse dann mit einer speziellen Chemie bespr\u00fcht werden. Vorher solle sie eine Tasche packen, denn die Wohnung d\u00fcrfe dann acht Stunden nicht betreten werden. Au\u00dferdem sollte sie alle offenen Lebensmittel wegpacken. Er w\u00fcrde auch sofort kassieren, und sie m\u00fcsse mit Kosten zwischen 400 und 800 Euro rechnen.<\/p>\n<p>Als er eingetroffen war, zeigte sie ihm das Objekt in der Dose. <em>Kein Zweifel, eine Wanze<\/em>, sagte er. <em>Ob sie nicht die roten P\u00fcnktchen am Rand sehe?<\/em> Nein, sah sie nicht. Aber sie hatte auch nicht mehr die Augen einer Zwanzigj\u00e4hrigen.<\/p>\n<p>Ihr ging seine Diagnose zu schnell. Auff\u00e4llig schien ihr, dass er sofort loslegen wollte. Auf seinem Handy-Display zeigte er ihr schnell das Foto von einer Bettwanze, obendr\u00fcber stand der lateinische Gattungsbegriff: Cimex lectularius. Angeblich hatte er ihr Objekt in der Dose in eine KI-App eingespeist. Ihr kam das etwas seltsam, fast verd\u00e4chtig, vor, und auch, wie schnell er ihre Nachfrage nach seinem Vorgehen abwehrte, aber sie hakte nicht nach, weil ihr dieser junge Mann \u2013 leider, sagt sie heute \u2013 vertrauensw\u00fcrdig vorkam.<\/p>\n<p>\u00a0\u00a0 Als er seine Gasmaske aufsetzte, verlie\u00df sie die Wohnung. Es war vereinbart, dass sie ihn direkt nach der Aktion (15 bis 20 Minuten Dauer, sagte er) per Karte bezahlt:<\/p>\n<p>knapp 780 Euro.<\/p>\n<p>Dazu erkl\u00e4rt die Bonner Verbraucherschutzzentrale: <em>Lassen Sie sich nicht unter Druck setzen, eine Rechnung sofort zu zahlen! Einmal gezahltes Geld erhalten Sie nur schwer wieder zur\u00fcck. Denn herauszufinden, wer hinter einem unseri\u00f6sen Notdienst steht, ist oft unm\u00f6glich.<\/em><\/p>\n<p>Nach und nach d\u00e4mmerte es Ingrid Martin, dass sie einer betr\u00fcgerischen Firma aufgesessen war. Der Anschrift der Rechnung zufolge hatte sie ihren Sitz gar nicht in Bonn, sondern in Recklinghausen.<\/p>\n<p>Auch dies ist wiederum typisch f\u00fcr unsolide Firmen, so die Verbraucherzentrale: der Kunde glaubt, er habe es mit einem lokalen Unternehmen zu tun, doch die Firma schickt einfach einen Dienstleister aus der N\u00e4he.<\/p>\n<p>Wenn Sie sich im Zweifel sind, ob Sie es mit einer seri\u00f6sen Firma zu tun haben, kontaktieren Sie den Verband der Deutschen Sch\u00e4dlingsbek\u00e4mpfer (DSV). Er verf\u00fcgt \u00fcber ein Verzeichnis eingetragener Firmen, die dann auch h\u00f6chstwahrscheinlich vertrauensw\u00fcrdig sind. Marcus R\u00f6mer, Mitglied des Vorstandes des DSV, weist darauf hin, dass das geschilderte Betrugsmodell zwar allgemein bekannt sei, aber die Beh\u00f6rden weitestgehend unt\u00e4tig blieben. Er bezieht sich mit dieser Kritik auf \u00c4mter f\u00fcr Gewerbeschutz und auf Verbraucherzentralen. Eine bundesweite Abstimmung der Staatsanwaltschaften, um das g\u00e4ngige Betrugsmodell aufzudecken, finde seines Wissens nicht statt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Fund in der Dose entpuppte sich als ein kleines holziges Teilchen unbekannter Provenienz. Laut Analyse von ChatGPT handelte es sich keinesfalls um ein Insekt.<\/p>\n<p>In ihrer Analyse der Stiche schloss Ingrid Martins\u00a0 Haut\u00e4rztin Wanzenbisse kategorisch aus. \u00dcberdies erkenne man einen \u00a0Wanzenbefall an Blutflecken auf dem Bettlaken und der Matratze, erkl\u00e4rte sie.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Am 29.Januar 2026 erstattete Ingrid Martin Anzeige bei der Bonner Kriminalpolizei. Am 25.Februar erkl\u00e4rte die zust\u00e4ndige Bonner Staatsanw\u00e4ltin: <em>Der Aufenthalt des verd\u00e4chtigen Gesch\u00e4ftsf\u00fchrers der Firma konnte nicht ermittelt werden.<\/em><\/p>\n<p>Das Verfahren wurde eingestellt: wegen Geringf\u00fcgigkeit.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>* Name von der Redaktion ge\u00e4ndert<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Auf Trustpilot finden sich viele Bewertungen dieser Firma, unisono negativ. Von Abzocke und sogar Betrug wird auf den Beitr\u00e4gen berichtet. <\/strong><\/p>\n<p><strong>Die Homepage dieser Firma ist inzwischen gel\u00f6scht.<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong><u>Adressen: <\/u><\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Verbraucherzentrale NRW, Beratungsstelle Bonn,<\/strong><\/p>\n<p><strong>Thomas-Mann-Str. 2-4<\/strong><\/p>\n<p><strong>bonn@verbraucherzentrale.nrw<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Deutscher Sch\u00e4dlingsbek\u00e4mpfer-Verband <\/strong><\/p>\n<p><a href=\"mailto:info@dsvonline.de\"><strong>info@dsvonline.de<\/strong><\/a><\/p>\n<p><strong>Marcus R\u00f6mer ist ehrenamtliches Mitglied des Vorstands, aber auch Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer seiner familiengef\u00fchrten Firma Biotec mit Standorten in Wilhelmshaven und Osnabr\u00fcck<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>[\/et_pb_text][\/et_pb_column][\/et_pb_row][\/et_pb_section]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00dcble Gesch\u00e4ftspraktiken in der Dienstleistungsbranche Wie windige deutsche Firmen im Bereich der Sch\u00e4dlingsbek\u00e4mpfung ihre Kunden \u00fcber den Tisch ziehen. 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