Die elektrisierenden Tagebücher von Patricia Highsmith
… ihre überströmende Lebens- und Schaffensfreude ist mitreißend: Ich werde fast überwältigt, erdrückt, erschlagen – von all den wundervollen Dingen, die ich noch tun, machen, denken, erschaffen, planen, lieben, hassen, genießen, erleben muss, schreibt sie im Frühherbst 1942 in ihr Tagebuch. Und zwischen den himmeljauchzenden Hochs und den schwarzgalligen Schaffenskrisen blitzt immer wieder mal ein bärbeißiger Humor auf: Ging um 6:00 ins Laboratory Institute, wo mir sowohl Tee, Kaffee & Whiskey angeboten wurden – also nahm ich Letzteres wie jeder Mann von hochprozentigem Geist.
Gerne betont sie ihre Androgynität, auch mit Männerkleidung. Unbestreitbar: Sie hatte Biss. Sie hat nie aufgegeben, bis sie mit ihrem ersten Roman Zwei Fremde im Zug im Jahr 1950 einen Welterfolg feiern konnte. Er liest sich ganz süffig. Aber mehr gedankliche Tiefe findet sich in diesem hochprozentigen Lebenswerk, das sie selbst gerne mal gelesen hätte, aber in den ersten Jahren keine Zeit dafür fand.
General-Anzeiger Bonn, 12/13.März 2023 Patricia Highsmith: Tage- und Notizbücher. Hrsg. Von Anna von Planta.
Diogenes 2021.1370 Seiten