Viel Natur, die tägliche Schreibarbeit und die letzten Tage der DDR – Sarah Kirschs wunderschönes Tagebuch Der Sommer fängt doch so an!

 

Während sie einen saloppen, manchmal auch ruppigen Ton anschlägt, wenn es um Menschen geht, gerade um ihre Schriftstellerkollegen aus dem Osten, findet sie oft einen hohen Ton für Phänomene der Natur. Nicht sattsehen kann sie sich an ihren Blumen und Bäumen: Und die abergläubischen Pappeln verneigen sich tief. Als studierte Biologin kann sie ja alles benennen: Sonnentau, Rosmarienheide, Weißes Schnabelried. In dieser nicht verschwärmten, sondern sehr kenntnisreichen Nähe zur Natur  ähnelt sie der – von ihr verehrten –  Dichterin Annette von Droste-Hülshoff. Der Droste möchte ich gern Wasser reichen heißt auch eines ihrer Gedichte.

 

Sarah Kirsch: Der Sommer fängt doch so an. Tagebuch 1990. Herausgegeben und mit einem Nachwort von Moritz Kirsch. Umschlag mit einem Aquarell von Sarah Kirsch. Steidl 2023

General-Anzeiger, 4./5. Mai 2024