… Während sich bei Tschechow die Menschen lächelnd Gemeinheiten ins Gesicht werfen, um sich dann schluchzend in die Arme zu fallen, ist an diesem knapp vierstündigen (!) Abend alles bemerkenswert eindeutig, überdeutlich, grell und trashig – und völlig unironisch.
Am Ende zerfasert die Inszenierung ganz, gewollt natürlich. Der Doktor strippt bis auf die Unterhose und steppt über die Bühne. Fordert laut von der Souffleuse Text ein. Die Enkel Castorfs sehnen sich wohl nach einer zweiten Spiralblock-Affäre. Aber es genügt nicht, ganz und gar nicht, für die eigene Szene in zeitgeistigem Trash-Schick ein Stück zu dekonstruieren. Hier haben wir es mit Destruktion, nicht Dekonstruktion, zu tun. In der Pause sind sehr viele Zuschauer geflohen. Wenn man das Kölner Publikum weiter an diesen unwirtlichen Ort locken will, muss man es auch mitnehmen. Sonst schafft sich das Theater bald selbst ab.
Westfälischer Anzeiger, 17.12.2016