TV-Serie Mord im Mittsommer

Hej! Wir sehen uns!

 

Eva Schäfers

 

Unsere Lieblingsserie in diesem Juli ist Mord im Mittsommer. Aber warum eigentlich?

Eine der Hauptfiguren ist die attraktive Staatsanwältin Nora Linde, die dem Ermittler Thomas Andreasson detektivisch zur Seite steht. Und die Liebe spielt da auch eine Rolle zwischen den beiden… Wenn sie empört ist – das kommt öfters vor – legt sie ihre Arme übereinander und zieht ihre dunklen Augenbrauen finster zusammen. Ihre schauspielerischen Möglichkeiten sind überschaubar, aber das macht nichts, weil die Kamera sie liebt und sie so gern und oft ihre prachtvollen weißen Zähne zeigt. Henrik Linde (Jonas Malmsjö), ihr Ex-Mann, von Beruf Chirurg, ist optisch eine Wucht: Er ist so blond, hat so scharf geschnittene Gesichtszüge und agiert so schuftig, dass man ihn auf der Stelle heiraten möchte.

Die Krimi-Handlung verstehen wir nur selten. In einer Folge soll beispielsweise eine zarte und nicht mehr ganz junge Apothekerin eigenhändig mehrere militärisch durchtrainierte Küstenjäger aufgehängt haben. Ziemlich absurd, die Vorstellung, auch wenn sie vielleicht einleuchtende Gründe dafür hatte.

Aber trotz allem … Warum nur sind wir so verrückt auf diese Serie, die wir gleich staffelweise konsumieren? Nicht die Handlung, nicht die manchmal schablonenhaft agierenden Figuren, treiben uns dazu, sondern die brillanten Bilder: Wenn der Ermittler Thomas Andreasson mit seinem Boot, Rücken rund über das Steuer gebeugt, über das türkisblaue Wasser spritzt. Wie das rotgelbe Sonnenlicht verliebt die kastanienbraunen Haare von Nora Linde umglüht. Wie ihre Korksandalen über Sandhamns Pflaster klappern. Hej, ruft sie ihren Nachbarn zu und Wir sehen uns! Und wie uns das Glas Weißwein entgegen leuchtet, das sich Nora abends auf ihrem privaten Bootssteg genehmigt. Es leuchtet von innen wie das vergiftete Glas Milch, das Hitchcock im Film Verdacht den Mörder die Treppe hinauf tragen ließ. In das Glas hatte er übrigens den Requisiteur ein Licht setzen lassen.

Es ist der schwedische Schärensommer selbst, der sich da in Szene setzt. Ein Mord stört diese Idylle nur kurzfristig. Er wird aufgeklärt, und das schwedische Korksandalen-Paradies ist wieder intakt.

Hatten wir gerade schablonenhafte Figuren beklagt? Da gibt es einige markante Ausnahmen, beispielsweise die kesse junge Ermittlerin Mia (Sandra Andreis). Oder der liebenswerte, etwas altkluge Sohn von Andreasson. Und vor allem der Chefermittler Bengt-Olof Stenmark, gespielt von Gustaf Hammarsten. Man muss ihn erlebt haben, wie er sich wegen seinem Hexenschuss auf den Boden des Büros legt. In seinem feinen Anzug. In seinen Ansagen und Repliken ist er so ironisch, in seinen Aktionen so verschroben-eigenbrötlerisch, dass es eine Wonne ist. Fast ein Mensch aus Fleisch und Blut.

 

Mord im Mittsommer, verfügbar in der Mediathek auf Arte. Linear auf Arte und auch im ZDF. Nach Romanen und Drehbüchern von Viveca Sten.