Portfolio
Buchrezensionen, Reportagen, Theaterkritiken und Portraits
Colin Barrett
Barrett hat den Plot gespickt mit Bildern des Sehens, Hörens und Riechens, die die Phantasie des Lesers befeuern: beispielsweise das ominöse „Luftfoliengeknister von Reifen, die langsam über Kies rollen“. Oder der blasse Teint des entführten Jungen Doll, der an frisch gemolkene, bläulich schimmernde Milch erinnert. Oder der mineralische Geruch der Luft nach einem Regenguss. Die Bilder und Vergleiche sind nicht ornamental schmückendes Beiwerk, sondern …
Richard Ford: Valentinstag
Ein melancholisch-komisches Roadmovie von Richard Ford – im Roman Valentinstag schickt der Autor seinen stoischen Helden Frank Bascombe mit seinem totkranken Sohn quer durch die USA und durch den skurrilen Alltag zwischen Malls und Motels
… Nur auf einer vordergründigen Ebene geht es um die Krankheit, die eine ohnehin schwierige Vater-Sohn-Beziehung noch komplizierter macht. Im Grunde geht es um nichts weniger
Alma & Alfred Hitchcock
Je tiefer man eintaucht in ein künstlerisches Werk, stellt man fest: sehr oft steht neben einem berühmten Mastermind …
Er habe gleichzeitig die Mentalität eines Gigolos und eines Sugar Daddy, sagte Karl Lagerfeld einmal über sich. Dabei interessierte ihn die Erotik …
Steven Uhly
Da sind die grellen Bilder der Reklame von Las Vegas und die giftgrünen Kunststoff-Aliens im Alien Center, die Palmen aus Plastik im Spielcasino und das grauenvolle Essen, das einen Europäer mit seinen absurden Mega-Portionen völlig überfordern könnte. Dieses meist ironisch gebrochene USA-Bashing mag manchen Leser froh stimmen. Warum eigentlich? Weil er oder sie diese Vorurteile teilt? Oder weil …
Eine Rheinreise von Basel bis Amsterdam. Höhepunkt ist das romantische Mittelrheintal mit dem Loreley-Felsen
Tanker, Frachtkähne, Passagierschiffe, Sport- und sogar Ruderboote ziehen auf ihm entlang – der Rhein, stattliche 1320 Kilometer lang, ist nicht nur romantisch, sondern die meistbefahrene Wasserstraße Europas. …
Untätige Gutsbesitzer. Am Schauspiel Köln wird Anton Tschechows Stück „Iwanow“ destruktiv abgefertigt
… Während sich bei Tschechow die Menschen lächelnd Gemeinheiten ins Gesicht werfen, um sich dann schluchzend in die Arme zu fallen, ist an diesem knapp vierstündigen (!) Abend alles bemerkenswert eindeutig, überdeutlich, grell und trashig – und völlig unironisch.
Am Ende zerfasert die Inszenierung ganz, gewollt natürlich. Der Doktor strippt bis auf die Unterhose …
Nie mehr frieren! Jens Andersen schreibt die Biografie der dänischen Kultautorin Tove Ditlevsen
Wie im ersten Band Kindheit erhebt sich im Folgeband Jugend eine dezidiert eigene Stimme. Es ist der Ton einer noch etwas naiven, aber hellwachen jungen Frau. Ohne „Schau-mal-hin-wie-schlau-ich-bin-Sätze“, aber von der Kraft klarer und unbeirrt vorwärtsdrängender Worte, die manchmal mit Vergleichen befeuert werden, aber ohne bemühte Bilder auskommen.
Den Weißen zu schwarz, den Schwarzen zu weiß. Josephine Baker
Sie ließ ihr kleines Hinterteil kreisen, bis die Bananen ihres Gürtels wie kleine phallische Flugkörper um ihre Hüften sirrten. Und die Pariser Zuschauer in den Folies Bergère tobten und schrien vor Begeisterung und erotischem Kollektivtaumel.
Slang und Schweigen: Dem irischen Autor Colin Barrett ist mit seinem Erzählband „Junge Wölfe“ ein suggestives Debüt gelungen
Der Atlantik ist nah; das zerklüftete Kinn des Küstensaums mit seinen von Möwen heimgesuchten Felsvorsprüngen ist nah. Es ist eine wilde, etwas herbe Landschaft, aber diese jungen Wölfe, die auf der Suche nach irgendetwas, nach Liebe oder wenigstens Sex, über Straßen und leere Parkplätze, Tankstellen und durch alkoholgeschwängerte Pubs und Clubs streifen, haben oft keinen Sinn für die Schönheiten der Natur.
Nachruf auf eine berühmte Unbekannte. Marie Luise Scherer, eine Grenzgängerin zwischen Reportage und Literatur
Du fragst immer so doof, Marie-Luise, habe mal jemand zu ihr gesagt. …
Irina Kilimnik: Sommer in Odessa
Die Sonne glühe beinahe ununterbrochen auf die Stadt herunter, sagt sie. Doch selbst Olga, in ihrem eigenen Unglück wie kaserniert, bemerkt, wie in diesem heißen Sommer etwas Anderes an die Oberfläche steigt. Die glühende Idylle entpuppt sich als nur vorgetäuschte Normalität, und unbarmherzig ausgeleuchtet wird eine gespaltene Gesellschaft.
Der Roman spielt unmittelbar vor dem Angriff Russlands auf die Ukraine.
Hilmar Klute Im Traum suche ich immer das Weite
Knirpse von Woolworth sprangen mit leisem Fauchen auf, schreibt er über die Tristesse eines verregneten Tages im Ruhrgebiet: das einzig lebendige Geräusch an einem toten Tag. Und wer würde schon auf die Idee kommen, die Gemeinschaft von Zigarettenkippen …
Und die abergläubischen Pappeln verneigen sich tief
… Während sie einen saloppen, manchmal auch ruppigen Ton anschlägt, wenn es um Menschen geht, gerade um ihre Schriftstellerkollegen aus dem Osten, findet sie oft einen hohen Ton für Phänomene der Natur. Nicht sattsehen kann sie sich an ihren Blumen und Bäumen: Und die abergläubischen Pappeln verneigen sich tief. Als studierte Biologin kann sie ja alles benennen: Sonnentau, Rosmarienheide, Weißes Schnabelried. In dieser nicht verschwärmten, sondern sehr kenntnisreichen Nähe zur Natur ähnelt sie der – von ihr verehrten – Dichterin Annette von Droste-Hülshoff. Der Droste möchte ich gern Wasser reichen heißt auch eines ihrer Gedichte.
Heringsmöwen schreien, die flüchtende Sau quiekt und die Hakenkreuzfahnen werden eingezogen
Amrum – der Regisseur Hark Bohm und der Autor Philipp Winkler haben zusammen einen atmosphärisch starken Roman geschrieben, der viel von Bohms Kindheit auf der nordfriesischen Insel erzählt
„Mein Prinz“, sagt sie und beißt in das gebutterte Honigbrot. „Hohes, hartes Friesengewächs“, nennt ihn der Vater, als er überraschend von der Front zurückkommt.
Aber im Allgemeinen sprechen die Erwachsenen mit den Kindern nicht viel, schon gar nicht über Politik, und so müssen sie sich alles selbst zusammenreimen. Aber die Kinder der Dörfer Nebel und Norddorf sind gut darin, ihre Ressentiments zu erspüren […]
Einparfümierte Opernsängerinnen
… Und man muss das können, so witzige sprachliche Bilder für eine lähmende Depression zu finden: … oft wusste ich nicht mehr, wo ich aufhörte und die Couch begann. Wie ein geschmolzener Käse war ich in jede Ritze des Sofas hineingeflossen, hatte das Sitzmöbel mit mir selbst überbacken.
Anne Enrights neuer Roman Die Schauspielerin spürt düsteren Geheimnissen in Hollywood und Dublin nach
… Das ist erzähltechnisch raffiniert, doch Gottseidank bleibt dieser Roman in solch metafiktionalen Schleifen nicht stecken. Denn die großen Fragen nach Schuld, Verantwortung und Vaterschaft treiben die spannende Handlung voran wie in einem Western: warum schoss Katherine O’Dell dem Produzenten Boyd O’Nell in den Fuß?
Und warum eigentlich nur in den Fuß?
Patricia Highsmith
… ihre überströmende Lebens- und Schaffensfreude ist mitreißend: Ich werde fast überwältigt, erdrückt, erschlagen – von all den wundervollen Dingen, die ich noch tun, machen, denken, erschaffen, planen, lieben, hassen, genießen, erleben muss, schreibt sie im Frühherbst 1942 in ihr Tagebuch. Und zwischen den himmeljauchzenden Hochs und den schwarzgalligen Schaffenskrisen blitzt immer wieder mal ein bärbeißiger Humor auf: Ging um 6:00 ins Laboratory Institute, wo mir sowohl Tee, Kaffee & Whiskey angeboten wurden – also nahm ich Letzteres wie …
Die Hausherrin
Karin Beier
Rheinischer Merkur
Das Kölner Schauspiel wurde in ihrer Intendanz zur besten Bühne Deutschlands. Gleichzeitig hat sich die 45-Jährige auch als Regisseurin bundesweit einen Namen gemacht.
Frank Castorf
Als eine elegante Dame der Gesellschaft vom Selbstmord eines Herrn namens Kraft erzählt, der sich aus Verzweiflung über Russland erhängt hat, biegt und schüttelt sie sich vor Lachen, und das unerbittliche Auge der Kamera zeigt in Großaufnahme ihren höhnisch aufgerissenen Mund. Die kleinen Zähne der bösartigen Tatjana Prutkowa sehen aus wie die eines Reptils. Wir blicken auf eine kranke Gesellschaft, die menschlichen Beziehungen sind brüchig. …
Wonderland Ave.
Im Lamentiermodus Ersan Mondtag inszeniert in Köln Sibylle Bergs Stück Wonderland Ave. Westfälischer Anzeiger Ein wild schreiender Mann (Bruno Cathomas) beschimpft seine Gegenüber als „Kackautomaten“. Da hüsteln sie verlegen und belegen ihn dafür mit einer...
Maeve Brennan
Quellen der Einsamkeit Dublin und New York als literarische Inspiration: Es lohnt sich, Maeve Brennan zu entdecken Ihr intensiv forschender Blick war geleitet von Interesse, auch feinfühliger Empathie, aber bedacht auf Distanz. Es ging um das Sehen, und die vielen...
Silent Movie Festival
Manuskript für die Sendung „Arts on the Air“, English Service der Deutschen Welle
1.O-Ton: Musik/Gelächter/rauschender Applaus
Silent films were never silent. There was the audience and there was music.
Streiten, schwadronieren, kämpfen
Das wilde, traurige und fröhliche Leben der Schriftstellerin und Theaterkritikerin Dorothy Parker
Süddeutsche Zeitung
Über die damals noch junge, später weltberühmte Schauspielerin schrieb sie: „Besuchen Sie das Martin Beck Theater und sehen Sie Katharine Hepburn dabei zu.
In Wortsturzbächen
Drei Dramen über den Kampf des Menschen mit der Natur
Westfälischer Anzeiger
Als das Wasser von unten aus der Baugrube nach oben gurgelt und drückt, versuchen die drei Anzugträger es mit einer Hand, zaghaft, oh so zaghaft, zurückzuschieben. Hilflose Worte des Ex-Oberbürgermeisters schrammen vom Band:…
Von Tugend und Herzeleid
Valentin Jeker bringt das Schicksalsdrama „Maria Magdalena“ mitsamt seinem Staub auf die Bühne der Godesberger Kammerspiele
Westfälischer Anzeiger
Die wild gemusterte und ordinär farbige, aber intelligent durchdachte Bühne lässt noch hoffen. …
Der Tod ist mein Liebhaber
Die Biennale – zum sechsten und letzten Mal in Bonn
Westfälischer Anzeiger
Suggestive Inszenierungen und schroffe Anti-Stücke aus dem vielstimmigen Haus Europa …
Audienz im Morgenmantel
Jens Rostecks gut recherchierte, kluge und angenehm zurückhaltende Biographie über Edith Piaf
Süddeutsche Zeitung
„Mach schnell“, sagt sie übel gelaunt …
Websites für Einzelkämpfer
Ein erfolgreicher Webauftritt ist nicht nur für ein Unternehmen wichtig
arbeitsmarkt Bildung Soziales Kultur
Auch für den Einzelkämpfer – den freiberuflichen Journalisten, Übersetzer oder Lektor – kann er dazu beitragen, seine Bekanntheit zu steigern und seine Marktchancen zu optimieren. …
Bis Taxis mit Narzissen tanzen
Virginia Woolfs Überlegungen zur modernen Lyrik
Süddeutsche Zeitung
Ihr vorgeblich freundlich zugewandter Plauderton sollte uns nicht über ihre gedankliche Tiefe täuschen. Zur ihrer Erkenntnismethode gehört […]
Wappne dein Herz mit Geduld
Eindrücke vom Lyrik-Festival „Poetic Voices Africa“ in Köln
Süddeutsche Zeitung
Lyrik feiert die Musikalität der Sprache, sagte Guy Helminger,…
Eine legendäre Fehlbesetzung
Sam Wassons ebenso amüsantes wie aufschlussreiches Buch über Audrey Hepburn blickt hinter die Kulissen von „Frühstück bei Tiffany“
Süddeutsche Zeitung
Pockengesicht und Miss Tits
Zwei neue Biographien über das skandalöse Hollywood-Traumpaar Liz Taylor und Richard Burton
Süddeutsche Zeitung
Pretiosen mit Tomatensauce
Glamourpaar im Rosenkrieg: Eine Doppel-Biographie über das Ehepaar Zelda und F.Scott Fitzgerald
Süddeutsche Zeitung
Absurde Komik
Das britische Doppelstück „Herz so blau“ wurde in Köln erfolgreich erstaufgeführt
Westfälischer Anzeiger
In seiner Sprache hat sich ein Virus eingenistet. „Blau hat den Blau, dass ein Irrtum blauliegt. In den Unterlagen herrscht ein wahrer Kessel.“
Meine schöne Gefängniswärterin
Friedrich Buchmayrs lesenswerte Biographie über Frida Strindberg, einer Frau, die ihrer Zeit voraus war
Süddeutsche Zeitung
Bauern leiden
Gerhard Hauptmann: Rose Bernd. Schauspiel Bonn, Kammerspiele
Schnüss,
Das Schauspiel Bonn fand in seiner PR keine kleinlauten, sondern durchaus selbstbewußte Worte. Die thematische Aktualität der Geschichte von der meineidigen Kindsmörderin liege auf der Hand. So? Warum wollte man nur
















